Entwicklung der Ortschaft Ramersdorf

Wissenswertes über die Geschichte

von Ramersdorf

Zwischen Rhein und Ennert gelegen, am Fuße der nördlichen Ausläufer des Siebengebirges, liegt der Ortsteil Ramersdorf.

Zusammen mit den Orten Küdinghoven und Limperich bildet Ramersdorf in der Bundesstadt Bonn den statistischen Bezirk Li-Kü-Ra. Außerdem liegen Teile von Ramersdorf im Bezirk Beuel-Süd sowie im Ennert. Mit seinen rheinseitigen Flächen ist Ramersdorf seit den 1990er-Jahren Bestandteil des Bundesviertels. Von der ersten urkundlichen Erwähnung im 9. Jahrhundert bis heute hat Ramersdorf eine bewegte Geschichte hinter sich. Bis ins 19. Jahrhundert lebten noch wenige hundert Bewohner hier, heute hat Ramersdorf ca. 1.800 Bewohner.

 

 

Entwicklung der Ortschaft

 

Das Bonner Cassius-Stift hatte im Hochmittelalter unter anderem dort Besitzungen, wo sich heute der alte Ortskern von Ramersdorf befindet. Im Jahr 1136 erhielt das Stift eine päpstliche Bestätigung für den Besitz eines Gutes in Ramersdorf, das die Stiftsherren von der Abtei Siegburg erworben hatten. Weiteren Besitz erhielt das Stift 1142 in dem Ort durch die Schenkung eines Bonner Bürgers mit dem Namen Roingus. Auch die Abtei Heisterbach erhielt in Ramersdorf schon vor 1246 Zins und Zehnten sowie eine Mühle.

 

Nach dem Kreuzzug von 1217 wurde die Deutschordenskommende Ramersdorf gegründet, vermutlich um das Jahr 1230. Nach der Säkularisierung wechselte die Kommende mehrfach den Besitzer und wurde immer wieder umgebaut und erweitert. Gegen Ende des 19. Jahrhundert erhielt diese ihr endgültiges Erscheinungsbild. Heute wird die Kommende als Schlosshotel bewirtschaftet und liegt am Autobahnkreuz Bonn Ost, welches in den 1970er Jahren unmittelbar angrenzend gebaut wurde.

 

Im Jahr 1909 hatte Ramersdorf um die 1.000 Einwohner. Viele Menschen hatten in dieser Zeit ihre Arbeitsstelle in der nahe gelegenen Zementfabrik oder in den umliegenden Steinbrüchen. Aus den verfügbaren Statistiken kann man folgende Einwohnerentwicklung entnehmen:

 

Jahr        Einwohner

1816          303

1843          389

1871          486

1905          832

1961       1.312

2017       1.820

 

 

Einschneidende Projekte im 20. Jahrhundert

 

Im Jahr 1969 wurde auch der Ort Ramersdorf im Zuge der kommunalen Neuordnung des Bonner Raumes in die Stadt Bonn eingemeindet. Die folgende Zeit ist geprägt von zahlreichen Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen im Beueler Süden und besonders auf Ramersdorfer Gebiet.

 

In den Jahre 1967 bis 1972 erfolgte der Bau der Konrad-Adenauer Brücke. Der Verkehrswegeplan sah die Anbindung des linksrheinischen Regierungsviertels durch die Autobahn 562 und in den folgenden Jahren auch den Anschluss an die Bundesautobahn 59 nach Köln  sowie an die Bundesstraße 42 nach Süden vor. Die Autobahntrasse der A562 durchschneidet seit Mitte der 1970er Jahre den Ort. Ebenso haben die Autobahnbrücken der A59 über das Ankerbachtal und der Bau des Autobahnkreuzes Bonn-Ost nachhaltige Spuren in der Landschaft hinterlassen.  

 

Ebenfalls in den 1970er Jahren wurde zum Anlass der Bundesgartenschau 1979 ein Teil des Rheinufers zum Landschaftspark Rheinaue umgestaltet. Dieser ist durch die Autobahnbrücke mit dem linksrheinischen Hauptteil des Parks verknüpft.

 

 

Ausbau des Schienen- und Nahverkehrs

 

Anfang des 20. Jahrhundert erhielt Ramersdorf einen Anschluss an die elektrische Bahn von Beuel nach Königswinter, die sogenannte Sieben-gebirgsbahn. Heute verkehrt die Bahn als Straßenbahn und U-Bahn zwischen Siegburg und Bad Honnef.

Im Zuge der großen infrastrukturellen Maßnahmen in den 1970er und 80er Jahren wurde die Haltestelle Ramersdorf unter die Erde verlegt. Neben der Straßenbahntrasse nach Beuel (früher Linie H, heute 62) wurde auch eine U-Bahnverbindung über die Südbrücke auf der linksrheinischen Seite geschaffen (früher Linie S, heute 66). In Ramersdorf ist somit im Jahr 1981 ein Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs mit einem U-Bahnhof und Busbahnhof entstanden.

Im Jahr 2017 wurde mit dem Ausbau der S-Bahn Linie 13 zwischen Bonn und Köln begonnen. 2019 wird auch in Ramersdorf mit den Arbeiten dafür begonnen. Bis zum Jahr 2028 soll die Inbetriebnahme mit einem Haltepunkt in Ramersdorf erfolgen.

 

 

Rasante Entwicklung der letzten Jahrzehnte

 

In den Ortsgebieten südlich des alten Ramersdorfer Ortskerns sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Flächen bebaut worden. Bereits Anfang der 1990er Jahren wurden die Freiflächen zwischen Oberkasseler Straße und Dornheckenstraße mit dem Zollamt der Stadt Bonn und weiteren Bürogebäuden überbaut.

 

Ab Mitte der 1990er Jahre wurden die Felder zwischen Bundesbahntrasse und Landgrabenweg mit einem Bürogebäudekomplex als Konzernzentrale von T-Mobile bebaut (heute Telekom Deutschland GmbH). 2003 erfolgte die Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes, heute trägt das Gesamtareal mit insgesamt 123.000 Quadratmetern Bürofläche den Namen „Telekom Campus“.

 

Die dynamische Entwicklung seit den 1990er-Jahren ist auch auf die Entwicklungsmaßnahme Bundesviertel zurückzuführen, die unter anderem Teilgebiete in Ramersdorf beinhaltet.

 

Im Süden Ramersdorfs wurde seit 2003 das Gelände der ehemaligen Zementfabrik im Rahmen des Städtebauprojekts „Bonner Bogen“ grundlegend umgestaltet. Einige denkmalgeschützte Gebäude der alten Fabrik blieben erhalten und wurden umfassend saniert. Die übrigen Brachflächen auf dem freigeräumten Areal wurden mit modernen Gebäuden für Büronutzungen, Arztpraxen, Restaurants und mit einem Grandhotel überbaut.

Von großer archäologischer Bedeutung sind die über 600 Gräber aus der Merowingerzeit, die bei den Arbeiten entlang der heutigen Joseph-Schumpeter-Allee gefunden wurden.

 

Im Oktober 2006 wurde das neue Bonner Polizeipräsidium fertiggestellt. In den 2000er Jahren wurde das Neubaugebiet „Sonnenhang“ und „An der Umkehr“ zwischen Königswinterer Straße und Straßenbahnlinie 62 erschlossen.

 


Quellen:

  • Bevölkerung in Bonn nach Ortsteilen (lt. Hauptsatzung) am 31.12.2017, Bundesstadt Bonn – Statistikstelle, Januar 2018

  • Heinrich Pauen: Die Klostergrundherrschaft Heisterbach. (Beiträge zur Geschichte des alten Mönchtums und des Benediktinerordens, hrsg. vom Abt-Herwegen-Institut

  • Maria Laach, Bd. 4), Aschendorff, Münster 1913, S. 67 und 137.

  • Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande, Band 1

  • Hans-Eckart Joachim: (Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch e.V. [Hrsg.]: . Band 10). Bonn 2018, ISBN 978-3-9812164-6-2, S. 39–42.

  • G. White; U. Schönfelder: . In: Jürgen Kunow (Hrsg.): . Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2687-4, S. 143–145.

  • Gemeindelexikon Preußen, 1871 und 1905; Übersicht des Regierungs-Bezirks Köln, 1816 und 1843.

  • Beiträge zur Statistik des Landes Nordrhein-Westfalen, Sonderreihe Volkszählung 1961. Heft 2b, Düsseldorf 1963, S. 59.

  • Kölner Stadtanzeiger 23.07.2003 – Erweiterungsfläche für Beueler T-Mobile oder Wohnsiedlung?

  • Bundesstadt Bonn: Bevölkerungsstatistik der Bundesstadt Bonn, Stichtag 31.12.2018

  • General-Anzeiger online. 19.07.2002 – Fünf Türme überragen die neue T-Mobile-Stadt in Beuel.

Lage des Ortsteils Ramersdorf im Bonner Stadtbezirk Beuel

Blick vom Ennert auf Kommende und Sieben
Blick vom Ennert auf Kommende und Sieben

Blick vom Ennert auf Kommende, Ramers-dorf und Rheintal mit Siebengebirge

Gemälde um 1820

Maifest 1933 am alten Dorfplatz Lindenstraße/Mehlemstraße

Luftbild Ramersdorf gesamt 1956 Bundesstadt Bonn
Luftbild Ramersdorf gesamt 1972 Bundesstadt Bonn
Luftbild Ramersdorf gesamt 2013 Bundesstadt Bonn

Luftbilder von 1956, 1972 und 2013

Quelle: Bundesstadt Bonn

U-Bahnhof Ramersdorf

Foto: Oliver Krug, 2006

Telekom Campus am Landgrabenweg

Quelle: www.kopter-bonn.de

Ramersdorfer Neubaugebiete von Süden.jpg

Ramersdorer Süden mit Bonner Bogen, Rheinpalais im Bau und Polizeipräsidium

Luftbild: Klaus Göhring, 2018

Ausschnitt Karte Google Maps Ortsteil Ramersdorf

Karte vom Ortsteil Ramersdorf

Quelle: Google Maps

Karte Bonn Ortsteil Ramersdorf
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