Die Deutschordenskommende Ramersdorf

Die Geschichte

der Kommende Ramersdorf

Am Hang des auslaufenden Siebengebirges liegt die ehemalige Deutsch-ordenskommende oberhalb von Ramersdorf. Der Ort, an dem die Kommende entstand, wird urkundlich das erste Mal im 9. Jahrhundert erwähnt.

Die mittelalterliche Kommende wurde um 1230 gegründet, bestand bis zur Säkularisation 1803 und ging anschließend in Privatbesitz. Nach einem Brand 1842 wurde die gesamte Anlage im Stil der Neugotik umgebaut. Einer Bürgerinitiative ist es zu verdanken, dass das Gebäude Anfang der 1970er Jahre nicht dem Bau des Autobahnkreuzes von A 59 und A 562 zum Opfer fiel.

 

 

Entstehung im Mittelalter

 

Die Ramersdorfer Kommende gehörte zu den rund 300 Kommenden des Deutschen Ordens, die von 1200 bis 1300 im europäischen Raum im Zusammenhang mit den Kreuzzügen entstanden. Die Gründungsurkunde des Ramersdorfer Hauses ist verschollen. Deshalb ist das genaue Gründungsjahr nicht bekannt, ebenso wenig die näheren Umstände, die zur Gründung führten. Jedoch ist in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Engelbert von 1271 erstmals überliefert, dass die Kommende kurz nach dem Kreuzzug von 1217 gegründet worden sei. Die bis heute erhaltene und ursprünglich zur Kommende gehörende Georgskapelle entstand zwischen 1220 und 1230. Die Georgs-kapelle wurde in den Jahren  1846/1847 nach einen Brandschaden auf Initiative des königlichen Bauinspektors Johann Claudius von Lassaulx auf dem Alten Bonner Friedhof wieder aufgebaut.

 

Erstmalig urkundlich erwähnt wurde die Kommende im Jahr 1254. Wie viele Besitztümer des Deutschen Ordens, wurde auch die Kommende Ramersdorf gestiftet, vermutlich von Graf Heinrich III. von Sayn (um 1190–1246/1247). Die Kommende Ramersdorf war der Ausgangspunkt für die Gründungen der Kommenden in Muffendorf und Heimerzheim und so gewann sie zunächst auch durch weitere Schenkungen an Besitz und Bedeutung.

 

Die wichtigste Aufgabe der Kommende war es, wirtschaftliche Leistungen für den Deutschen Orden zu erbringen. Nach den Kreuzzügen und dem Bedeutungsverlust des Deutschordensstaates entfielen diese Aufgaben. Die Kommende Ramersdorf verlor ihren Konvent und wurde Adelssitz, auf dem der Komtur als einziger Vertreter des Ordens die umfangreichen Besitzungen verwaltete.

 

Während den Kreuzzügen in Osteuropa kam es zu enormen Kosten für den Deutschen Orden, sodass auch die Kommende Ramersdorf immer mehr Besitzungen verkaufen musste, bis sie schließlich selbst 1371 an die Ballei Altbiesen verkauft wurde.

 

Säkularisation und Neuzeit

Nach dem Ende der Kreuzzüge verlor die Kommende an Bedeutung. Das Gebäude wurde renovierungsbedürftig und sollte im 18. Jahrhundert sogar abgerissen werden. Der damalige Hochmeister des Deutschen Ordens Kurfürst Clemens August von Köln (1700-1761, Kurfürst und Erzbischof von Köln 1723-1761), setzte sich dafür ein, das Gebäude zu renovieren und zu erweitern, was vermutlich durch den Baumeister Michel Leveilly (um 1700-1762) geschah.


In Folge der französischen Revolution und der Eroberung durch Napoleon sowie der damit verbundenen Säkularisierung kam es zur Auflösung des Deutschen Ordens. Die Kommende Ramersdorf ging schließlich in den Besitz des Herzogtums Berg über. Im Jahr 1807 wurden die Gebäude der Kommende an Fürst von Salm-Reifferscheid-Dyck verkauft. Der Fürst lebte jedoch nicht in Ramersdorf, sondern auf Schloss Dyck. Lange Zeit bewohnte nur ein Verwalter die Anlage.

 

1842 brannte die Kommende, wobei enorme Schäden entstanden. Dies war der erste Anlass hin zum heutigen Erscheinungsbild der Kommende, unter dem Einfluss einer barocken Überbauung. In dieser Zeit wurde auch die alte romanische Kapelle, die Georgskapelle, auf den alten Bonner Friedhof transloziert, wo sie bis heute steht.

 

Die Stieftochter von Salm-Reifferscheidt-Dyck, Freifrau von Francq, übernahm 1861 das mittlerweile zu einem Schloss herausgeputzte Gebäude mit allen zugehörigen Liegenschaften. Von Francq ließ die Anlage romantisieren und erweiterte sie um mehrere Anbauten. Charakteristisch für diese Zeit des Umbaus sind die mit Zinnen gestalteten Mauern. Ein neu errichteter Wehrturm wurde mit dem Rittersaal des Hauptgebäudes verbunden, sodass sich ein Torhaus über dem alten Portal bildete.

 

1881 verkaufte Freifrau von Francq die Kommende an den Kölner Bankier Rudolf Herberz. Drei Jahre später erwarb das Schloss Baron Albert von Oppenheim. Dieser ließ den ganzen Gebäudekomplex historisierend überbauen und einen zweiten Wehrturm als monumentalen Bergfried errichten. Die von Wilhelm Hoffmann mit gotisierenden Formen überprägte Anlage im Stil des Historizismus gleichen stark der Drachenburg im Siebengebirge.

Außerdem wurde der wegen seines Fachwerkbaus sogenannte „englische Flügel“ 1885 als Wirtschaftsbau erbaut. Zu dieser Zeit fanden ebenfalls unter der Leitung von Wilhelm Hoffmann in den Außenbereichen des Anwesens umfangreiche Umgestaltungen statt. Es entstand der heutige Schlosshof mit Brunnenanlage und ein Park mit wertvollen, seltener Koniferen wurde angelegt. Als Zugang zum Park wurde eine Toranlage im neugotischen Stil sowie ein Pförtnerhaus errichtet.

 

 

Nach dem 2. Weltkrieg

 

Die Familie Oppenheim residierte in der Kommende bis zum Zweiten Weltkrieg. Das Gebäude blieb von der Zerstörung durch Luftangriffe verschont und diente in der Nachkriegszeit als Unterkunft für englische Soldaten und Dienstgruppen ehemaliger deutscher Kriegsgefangener. Danach wurde es erst zum Kinderheim umfunktioniert und geriet dann in den Besitz der Bundesbahn.

Die Kommende wurde in der Substanz immer baufälliger, bis sie schließlich im Zuge des Baus der Autobahnanbindung der Konrad-Adenauer-Brücke zwischen Beuel und Bonn völlig abgerissen werden sollte. Heinrich Neu, ein Historiker aus Schwarzrheindorf, und viele weitere setzten sich aktiv und schließlich erfolgreich dafür ein, dass dieses Denkmal des Deutschen Ordens erhalten blieb.


1978 wurde die Kommende Ramersdorf von dem Antiquitätensammler Wolfgang Bartel erworben. Er renovierte die Kommende und eröffnete im Gebäude 1982 einen Kunst- und Antiquitätenhandel, ein Hotel und ein Restaurant.

 

Im Jahr 2017 schließlich übernahm Investor Ronald G. Münzer das Anwesen, um dort mit dem Gastronom Salvatore Luca den Restaurant- und Hotelbetrieb fortzuführen. Damit verbunden sind einmal mehr umfangreiche Umbau- und Sanierungsarbeiten auf der Kommende.

 

 
Quellen:

  • Heinrich Neu: Die Geschichte der Deutschordens-Kommende Ramersdorf, in: Bonner Geschichtsblätter - Band I, Bonn 1937

  • Heinrich Neu: Die Deutschordenskommende Ramersdorf - Geschichte eines rheinischen Hauses des Deutschen Ritter-Ordens, Bonn 1961

  • Christian Schüller: Die Deutschordenskommende Ramersdorf - Anmerkungen zu ihrer Baugeschichte und zu ihrem Schicksal im 19. und 20. Jahrhundert, Aufsätze zur Denkmalpflege und Geschichte Nr. 4/1988

  • Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5, S. 141.

  • Alexander Thon/Manfred Czerwinski: Die schönsten Burgen Deutschlands – Mittelrheintal von Rüdesheim bis Bonn (CD-ROM). Superior, Kaiserslautern 2003, ISBN 3-936-21608-8.

  • H. Pauen: Die Klostergrundherrschaft Heisterbach (Beiträge zur Geschichte des alten Mönchtums und des Benediktinerordens, hrsg. von J. Herwegen 4), Münster 1913, S. 67 und 137

  • Zeitungsartikel aus dem Stadtarchiv Bonn:

Bonner Zeitung vom 13.12.1929, Signatur: 85/41.

Bonner Rundschau vom 6.10.1968, Signatur: 120/149, Todesurteil über ein altes Haus am Rhein. Deutschordenskommene steht den Verkehrsplanern im Weg (Josef Auweiler).

Bonner Rundschau vom 28.1.1981, Signatur: 133/250, Schloss an der Autobahn wird zur Nobelherberge (Martin Schüler).

Ramersdorfer Ortskern mit Kommende

Luftbild: Klaus Göhring, 2018

Kommende mit Kapelle

Federzeichnung von 1569

Kommende um 1700

Lithographie von Romeyn de Hooghe

Kommende mit Georgskapelle um 1832

Kreidelithografie von Christian Hohe

Bauzeichnungen Georgskapelle von 1845 Lithografie von J.C. v. Lassaulx

Kommende um 1850 mit Blick nach Bonn

Christian Hohe / Sammlung Duncker

Kommende vom Ennert Christian Hohe um 1857

Kommende vom Ennert um 1857

Christian Hohe / Sammlung Duncker

Endgültiges Erscheinungsbild im Stil des Historizismus, Postkarte von 1934

Torbogen der ehemaligen Parkeinfahrt

Kommende mit Ramersdorfer Ortskern_Luftb
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